Staatsangestellte enttäuscht über die Lohn- und Personalpolitik des Grossen Rates

Von: Silvia Dell'Aquila

Entgegen den Vorschlägen des bürgerlichen Regierungsrates beschliesst der Grosse Rat eine Lohnerhöhung von nur 0.5 Prozent. Sorge bereitet die Plafonierung der Lohnsumme auf das Niveau von 2018, die an der gestrigen Grossratssitzung beschlossen wurde. Immerhin konnte sich das Kantonsparlament durchringen, den Mutationsgewinn künftig im System zu belassen, so dass dringend notwendige, strukturelle Anpassungen zu Gunsten der jungen Angestellten vorgenommen werden können.

Nach den Nullrunden der letzten Jahre besteht bei den Löhnen des kantonalen Personals dringender Nachholbedarf im Vergleich zur Privatwirtschaft. Der Regierungsrat hat dies verstanden und eine Lohnerhöhung von 1 Prozent vorgeschlagen, die aber vom Grossen Rat auf die Hälfte gekürzt wurde, was wiederum nicht dem entspricht, was im wirtschaftlichen Umfeld üblich ist.

Kanton Aargau verliert als Arbeitgeber weiter an Attraktivität

Durch die verfehlte Lohnpolitik der letzten Jahre kam die Lohnentwicklung bei den jungen Angestellten vollständig zum Erliegen, so dass beispielsweise bei den Lehrpersonen eine Lohnkurve resultiert, die während den ersten sieben Jahren der Anstellung nur marginal ansteigt. Die gleiche Situation zeigt sich in der Verwaltung. Junge, leistungsfähige Angestellte, die in Zukunft die tragenden Säulen der Verwaltung bilden sollten, verbleiben jahrelang auf ihrem Anfangslohn. Keine private Unternehmung könnte sich, mit Blick auf die zukünftige Entwicklung, eine solche Lohnpolitik leisten, weil sie sonst alle ihre jungen Leute verlieren würde. Genau das geschieht aber seit einiger Zeit beim Kanton. Junge Lehrpersonen und Verwaltungsangestellte verlassen frustriert den Kanton und wenden sich einem Arbeitgeber zu, der eine vernünftigere Lohnpolitik betreibt.

Gefährliche Entwicklung bei einem Stillstand der Lohnsumme

Unverständlich ist für das betroffene Personal der Entscheid des Grossen Rates, die Personalkosten für die nächsten Jahre zu plafonieren, dies vor dem Hintergrund, dass der Kanton Aargau heute schon die schlankste Verwaltung aller Kantone aufweist. Geradezu zynisch tönt in den Ohren der Betroffenen der Hinweis, dass Lohnerhöhungen durchaus möglich seien, wenn gleichzeitig Personal abgebaut werde. Die Entwicklung der Löhne und der Stellenplan sind zwei Grössen, die auf keinen Fall gekoppelt werden dürfen und getrennt betrachtet werden müssen. Mit einer geordneten Lohnentwicklung muss der Kanton dafür sorgen, dass er auf dem Markt konkurrenzfähig bleibt, was er heute in vielen Bereichen nicht mehr ist. Der Stellenplan hingegen muss im Zusammenhang mit dem Arbeitsvolumen beurteilt werden. Personal kann dann abgebaut werden, wenn die Menge der Aufgaben reduziert wird. Der pauschal angemahnte Effizienzgewinn, der regelmässig ins Feld geführt wird, wird schon seit Jahren dafür verwendet, den steigenden Arbeitsaufwand, bedingt durch das Bevölkerungswachstum und die erhöhte Komplexität der Themen, mit dem reduzierten Personalbestand zu bewältigen. Einmal mehr tragen die kantonalen Angestellten zu einem grossen Teil zur Sanierung der Staatskasse bei, während sich der Kanton Aargau als Arbeitgeber immer mehr ins Abseits manövriert.

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